Wenn ich so die Social Media Profile der Stars, aber auch von Bekannten und Freunde betrachte, die gerade ein Baby bekommen haben, komme ich zu einem wichtigen Schluss:  Die Zeit nach der Geburt, also die Rückfindung und Rückbildung des Körpers ist in vielen Fällen ein weißes, unbeschriebenes und eventuell in dem Moment auch komplett uninteressantes Thema.

Rückbildung und wann man wieder durchstarten darf

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass sich die meisten Frauen unglaublich viel über die Schwangerschaft informieren? Was darf ich essen, was darf ich nicht essen? Was ist normal, was ist nicht normal? Darf ich Dinge tragen oder heben?  Darf ich Sport betreiben? Wie läuft die Geburt ab und so weiter. Sobald das Baby dann auf der Welt ist, hört der Informationsaustausch (über das was mich als Mama betrifft) auf. Ich will da auch niemanden einen Vorwurf machen, zu eingespannt ist man mit dem „neuen Leben“. Der Fokus richtet sich auf den neuen Erdenbürger und dem neuen Alltag und nicht auf die eigene Bedürfnisse. Mama – also man selbst – steht erstmal ganz hinten an. Dann sind aber irgendwann die ersten Wochen, vielleicht auch Monate, vergangen und man bemerkt unter der Dusche, oder beim Anziehen der alten Klamotten, dass man doch noch nicht ganz so aussieht, wie vor der Schwangerschaft.   Vielleicht hängen hier und da noch Polster über dem Hosenbund (die übrigens einen Sinn haben: Reserve für die anstrengende, zerrende Stillzeit), oder die überdehnte Haut faltet sich beim Sitzen, oder hängt beim ‚Vorbeugen‘ schrumpelig nach unten (die Haut braucht oft einfach Zeit sich zurückzubilden). Womöglich geistern Bilder von Promis und Instagram-Fitness-Muttis im Kopf herum, die wenige Wochen nach der Geburt mit ihren gestählten Bäuchen protzen.

Ja und jetzt kommen dann all die gut propagierten Kurse ins Spiel, alla „Baby-Rückbildungs- Yoga“, „Rückbildungs Pilates“, Fitness mit Baby und Fitness mit Kinderwagen, ab sechs Wochen nach der Geburt. Das sind alles Kurse, die häufig viel zu früh angeboten werden und unglaublich bedenklich sind, vor allem wenn die Kursleiterin keine Ahnung von dem Körper während der Rückbildung hat. Die Kurse sind in ganz vielen Fällen überfordernd für den weichen Körper, der einfach noch nicht bereit dazu ist und das kann dann, im wahrsten Sinne, irgendwann in die Hose gehen.

Oder man stellt sich selbst einen Fitness/Diätplan auf. Erst letzte Woche habe ich wieder eine Frischmama, mit Baby im Wagen, joggen gesehen. Der kurze Blick in den Wagen zeigte mir, dass das Baby maximal zwei Monate alt war. Also im Grunde war die Mama noch Mitten im Wochenbett. In der Anpassungsphase, wo der Körper noch sowas von in einem hormonellen Chaos steckt, wo der Körper am Anfang der Höchstleistung ‚Rückbildung‘ ist. Ja, richtig. am Anfang.

Faktencheck zum Thema Rückbildung:

Aber schauen wir uns mal paar Fakten genauer an, um zu verdeutlich, dass Rückbildung und Zeit durchaus Sinn machen und zu früher Sport eher schädigend, als bringend ist. Das gilt übrigens  sowohl für Erstmamas, als auch für Mehrfachmamas, Spontangebärende, wie Kaiserschnittgebärende.

Die Rumpfkapsel/Bauchkapsel wird während der Schwangerschaft extrem strapaziert. Sie wird ins Maximum ausgedehnt und das bleibt auch eine Zeitlang nach der Geburt so. Das bedeutet, dass das Zusammenspiel der Muskulatur, der Bauchkapsel nicht mehr so funktioniert wie vorher. Logisch, ist ja auch alles irgendwie zu lang, schlichtweg überdehnt. Innen wie außen muss sich wieder alles zurecht schieben, dass das System wieder funktionieren kann. Der Körper braucht also zu aller erst Übungen, die die Bauchkapsel, also den Kern, stabilisieren und festigen (wie in meiner Rückfindungsfibel oder unseren Rückbildungskursen 😉 ) . Sportarten, wie Joggen, Springen und all der andere Wahnsinn bewirken eher das Gegenteil. Durch den erhöhten Bauchinnendruck der entsteht, wird die Kapsel eher mehr geschwächt. Der schwächste Part wird dem Druck nachgeben (Beckenboden, Bauchwand).

Diese Sportarten gehen zudem stark auf die gelenksichernden Bänder. Vor allem wenn die Beinmuskulatur nicht gut trainiert ist (was sie meist ist, denn die wenigsten von uns sind richtig austrainiert). Die Bänder sind aber durch die Schwangerschaft und dem weichmachenden Hormon  (Relaxin) noch weich und stabilisieren die Gelenke nicht ausreichend. Folge sind: Hüft-, Knieschmerzen, weil nun hauptsächlich der Knorpel belastet wird. Der Körper braucht, bevor er fordernde Sportarten macht, nach (!!) der inneren Stabilisation, moderate Kräftigung der äußeren Muskulatur, also funktionelle Kräftigung des Bewegungsapparates  (wie in meinen Mama-gerechten Trainingsplänen, bzw in unseren gemeinsamfit mit Baby Kursen). Sonst werden auch hier Spätfolgen (wie Knorpelschäden) provoziert

Wer stillt hält das Relaxin- Level mindestens fünf Monate aufrecht. Dann sinkt das Level zwar etwas, aber es ist immer noch hoch genug, um Bindegewebsstrukturen (also Bänder, Muskulatur, …) zu schwächen. Heisst: Gerade wer stillt, sollte demnach extra langsam mit Sport beginnen, um nicht Spätfolgen wie Senkungen, Inkontinenz und CO zu verursachen.

Apropos Bänder. Jeder lernt sie in der Schwangerschaft kennen. Die Mutterbänder, die Gebärmutterbänder, oder wie ihr sie nennen wollt. Sie hängen die Gebärmutter im kleinen Becken auf. Diese Haltebänder wachsen, synchron zur Gebärmutter, während der Schwangerschaft. Sie werden länger und länger… Das sind übrigens  diese fiese, ziehenden Schmerzen. Wenn das Baby auf der Welt ist, bildet sich die Gebärmutter durch die Nachwehen sehr schnell zurück. Doch die überdehnten Bänder bleiben. Sie bleiben noch lange. Das heisst, wenn man zu früh mit Sport beginnt (Joggen, Zumba, Springen, Reiten, …) hüpft die Gebärmutter, wie ein Gummiball, auf- und ab. Dass das jetzt nicht gerade günstig ist, erschliesst sich von selbst. Gerade die vorderen, „runden“ Mutterbänder haben eine Rückbildungszeit über Monate.

Beachte unbedingt, dass ein flacher Bauch nicht das Zeichen ist, dass man gut zurück gebildet ist. Ein flacher Bauch sagt lediglich, dass der Bauch flach ist. Heisst: Die Gebärmutter ist gut zurück gebildet. Aber zurückbilden muss sich so viel mehr, als nur die Gebärmutter.

Werden alle diese Punkte ignoriert und wird dem Körper bei der Rückbildung nicht geholfen, sondern gleich mit überforderndem Training begonnen, das womöglich mit bestehenden Symptomen unfunktionell durchgeführt wird (selbst erstelltes Trainingsprogramm bzw überforderte Trainer), kann das auf Dauer zu richtigen Probleme führen.

Die Umstellung von „schwanger“ auf „nicht schwanger“ geht nicht schnell, aus dieser Gedankenspirale sollten wir uns schleunigst lösen.  Mindestens sechs, sieben Monate, eher sogar deutlich über ein Jahr dauert es, den Körper wieder herzustellen.  Aber was bedeutet schon „scnhnell“ bzw „langsam“. Getrieben sind wir alle eh nur durch die perfide Vorstellung der Medien…

In diesem Sinne akzeptiere deinen wunderschönen Körper in jeder Phase der Rückfindung, er hat nämlich wunderbares geschaffen. Ein Baby!

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