Ein Appell an all die, die sich angesprochen fühlen.

Ich sehe mich als Physiotherapeutin und Beckenbodentherapeutin als Vorbild für alle Mamas und werdende Mamas. Meine Social Media Auftritte auf Facebook, YouTube, Instagram und meinem Blog sollen aufklären und frischen Mamas helfen, den richtigen Weg zu finden. Sie sollen Wahrheiten von Unwahrheiten aufzeigen und Unsicherheiten nehmen. Meine Kurse sollen neben all dem auch die soziale Komponente fördern, so dass sich eine Frau während und nach der Geburt ausgeglichen und rundum gesund und wohl fühlt.

Als Fachfrau in dem Gebiet versuche ich meinen Wissenstand immer aktuell zu halten, ausgelernt habe ich aber noch lange nicht. Ich lerne fast jeden Tag neue interessante Fakten, die ich wissbegierig aufsauge und in meine Arbeit mit euch übernehme.

Ich nehme das Thema, rund um den Körper der Frau während dieser außergewöhnlichen Zeit, mehr als nur ernst und aus dem Grund ist es für mich immer schleierhafter, wie unachtsam Andere damit umgehen. Gesundheit und Regeneration unserer Kundinnen sollte die oberste Priorität sein, nicht Habgier.

Die Opfer, die Fitnessangebote blind wie Lemminge akzeptieren, sind mit Selbstzweifel geplagte Mamas, die ihren (für sich) fremden Körper, schnell wieder herstellen wollen. Wenn möglich noch einen besseren Zustand erreichen wollen, als davor – mit unseren medialen Vorbildern kein Wunder.

Man muss Qualitativ nicht das höchste Niveau haben, sondern nur eine gute Marketingmasche haben, um in aller Munde zu sein.

Gibt man den Suchbegriff „Fitnesskurs Baby und einen bestimmten Ort“ in Google ein, wird man gleich überhäuft von Angeboten, in der Gegend. Nicht verwunderlich, dass man da als Neumama erst einmal überfordert ist. Gewinnen wird das Angebot, das dich am Meisten anspricht. So sind wir gepolt. Ist ein Mensch unsympathisch, die Webseite nicht ansprechend, dann buchen wir da nicht. Ist das Angebot ansprechend, bunte Farben, lachende Gesichter und BAM, werden wir angesprochen und klicken auf „buchen“: Auf Qualität wird gerade in dem heiklen Fall selten geachtet. Eher fokussieren wir uns auf Schlagwörter wie Gewichtreduzierung, Fettverbrennen, Burn Baby Burn, Abnehmen, After-Preg- Body, Shape und – was- weiss- ich.

Ob das Angebot aber tatsächlich gesundheitsfördernd ist, interessiert uns peripher.  Ob der Anbieter tatsächlich genügend Know-How besitzt, darüber informiert sich niemand.

Wir sehen einen After-Baby-Body alla Kate Middleton, Abbey Clansey und Co vor uns und orientieren uns an dem. Dabei sollte es mittlerweile in aller Munde sein, dass fordernder, belastender Sport frühestens sechs Monate nach der Geburt ausgeführt werden soll. In vielen Fällen sogar noch später.  Mama Bootcamps, Pilates Kurse, Aerobic, Trampolinspringen, Gewichte heben, Outdoor Kinderwagen Kurse (vor Allem inklusive Joggen), Joggen generell stehen auf der schwarzen Liste. Das Traurige daran ist, dass viele Kurse bereits ab 6 Wochen nach der Geburt angeboten werden. SECHS Wochen nach der Geburt, wie absurd ist das? In einer absoluten Regenerationsphase des Körpers. Ein Fussballer, der gerade seine Verletzung auskuriert, würde sich auf die Schläfe tippen. In diesen Kursen (aber auch online Home-Programmen) wird nicht etwa gecheckt, wie die Geburt war und ob es aktuelle Probleme  gibt. Oft wird nicht einmal auf das Geburtsdatum geachtet. Der Fokus liegt hier zumeist am ausgebuchten Kurs, respektive an möglichst vielen verkauften Produkten. Dass zum Beispiel beim simplen Laufen das dreifache Körpergewicht auf den Beckenboden wirkt, wird hier ausgeblendet. Dass ein Körper, sechs Wochen nach der Geburt zu schwach ist, diesem Druck entgegen zu wirken, wird ignoriert.

Kolleginnen, die in der Praxis arbeiten, berichten von gehäuft neuen Patientinnen, nahezu wöchentlich, die zu früh mit high-impact Sportarten begonnen haben, obwohl der Körper noch viel zu weich war. Das Resultat ist dann, Beckenbodenprobleme, Bauchdeckenschwächung, Schmerzen und Frust- oft auch erst Monate, oder gar Jahre später.

Eine Bekannte von mir war in einem Babyfitness Kurs irgendwo in Deutschland. Mit einer fetten Rektusdiastase (Auseinanderweichen und Ausdünnen der Bauchmuskeln). In dem Kurs wurde fleißig gejoggt, geplankt, Situps und Crunches, schräge Crunches (absolutes NO GO bei einer Rektusidiastase) und CO durchgeführt. Der Schweiß ist  geflossen, doch der Körperkern wurde spürbar weiter geschwächt. Die Kursleiterin hat sich nicht eine Sekunde darum geschert, was für Symptome die bis zu 15 Teilnehmer hatten. Oft haben Kursleiter einfach zu wenig Wissen, um korrekt zu agieren.

Doch wo hapert es? Wo muss man ansetzen, dass dieser Irrsinn stoppt?

  1. Man kann den A und B Promis der Welt nicht gänzlich ihre Internetpräsenz verbieten, aber man kann ihnen geschulte Therapeuten ans Herz legen, die sich mit dem Körper der Frau nach der Geburt auseinandersetzen und wissen, was für ein Training wann durchführbar ist. Man muss zudem nicht wenige Wochen nach der Geburt mit einem gestählten Körper prahlen. Dies führt zu Vergleichen und dem unterbewussten Zugzwang.
  2. Gynäkologen, die rund um den Globus etwa 6 Wochen nach der Geburt den Körper-Check-Up machen, sollten darauf hinweisen, dass diese Untersuchung keine Freigabe ist, Sport aller Art zu machen.
  3. Fitnessanbieter, selbst ernannte prä- und postnatal Trainer, sollten deren eigenen Ziele hinterfragen. Mit der Gesundheit der Frauen sollte nicht gespielt werden und Fitnesskurse sechs Wochen postnatal anzubieten, grenzt an Körperverletzung. Einen Wochenendkurs „FItness mit Baby“ macht einen nicht zum Profi. Es sollten im Anschluss viele themenbezogene Aus- und Weiterbildungen folgen. Besser noch: ausschliesslich medizinisches Fachpersonal ausbilden.

Abschliessend sei gesagt, dass Sport nach der Geburt erlaubt ist.

Es sollte nur der richtige Sport sein! Fordernd, aber nicht überfordernd. Aufbauend und stabilisierend – angepasst am jeweiligen Regenerationsgrad (deswegen biete ich übrigens von Haus aus KEINE gemischte Kurse („Schwanger und Nicht-Schwanger“ an- hier wird man den unterschiedlichen Anforderungen nicht gerecht)  und über all dem: Beckenboden schonend!!!!

Siehe auch: Fahrplan nach der Schwangerschaft

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