…und wie geht es dir so?”

Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich die spannende Reise noch einmal selbst an meinem Körper erleben darf. Ich wollte das, was ich Tag aus Tag ein in meinen Kursen predige noch einmal bewusst wahrnehmen und nachempfinden. Aus dem Grund ist es mir ein großes Anliegen auch Monate nach der Geburt den IST Zustand des Körpers nach der Geburt zu durchleuchten und auf Vorsicht zu plädieren. Denn in all dem Trubel des Alltags, sowie den medialen Vorbildern, geht komplett unter, dass auch ein halbes Jahr nach der Geburt der Körper eigentlich noch nicht wieder hergestellt ist.

Also, wie geht es mir so  ca einem halben Jahr nach der Geburt? Es wäre gelogen wenn ich sage, es ist alles soooooo schön und mir geht es sooooo gut und ich fühle mich soooo wohl. So wie es uns so viele Mama-Instagram Profile vorgaukeln.

Abgesehen davon, dass sich im Keller Wäscheberge stapeln und irgendwie nie weg gehen, immer Brösel am Boden liegen (und das ein Wettkampf mit Amelie ist), ich alle 5 Minuten auf spitze Spielsachen steige, auf ihnen schlafe, meine ausgefallenen Haare froh nachwachsen und ich aussehe wie ein in die Steckdose geratenes Borstenschwein. Auch wenn mein Busen gefühlt komplett leergesaugt ist, ich das Katzenfutter im Sekundentakt rauf und runter stelle (Katze hat Hunger – Katze frisst- Katze ist fertig, Amelie kommt – will Katzenfutter essen)  und tausende Termine im Kalender stehen, arbeitet auch mein Körper immer noch an der Rückbildung, oder wie ich es treffender finde: An der eigenen Rückfindung.

Ich sage meinen Mamas immer, dass sich rund 6-8 Monate nach der Geburt zumindest die Hormone in etwa wieder auf Normalbetrieb eingependelt haben. Also dann, wenn man zum ersten Mal einen Eisprung und die Periode – ergo einen Zyklus- hatte. Natürlich werden bei stillenden Mamas noch Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet, die es unter Anderem möglich machen den Schlafentzug besser zu verarbeiten (so mehr oder weniger …örgs) und sschon noch aufweichend wirken, was viele Neumamas unterschätzen… Aber all die anderen Hormone, die während der Schwangerschaft gebildet wurden, sind nun weitestgehend weg.   Auch das Relaxin, das unser Gewebe gebärfähig, weicher, labiler gemacht hat, ist nun meist wieder auf dem normalen Level (außer man stillt noch voll). Dass das aber der uneingeschränkte Startschuss für sämtliche High- Impact Sportarten ist (Joggen, Zumba, Jumping und Co) halte ich dennoch für bedenklich. Erst kürzlich hat man bei Sportlerinnen eine Studie durchgeführt, die zeigte dass man beim Laufen ein 4,59-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Beckenbodendysfunktionen hat, als wenn man sanfte Sportarten ausübt..

Auch mein Gewicht mag wieder so wie vor der Schwangerschaft sein (vielleicht sogar auch darunter). Die alten Hosen, Röcke und Co passen schon längst wieder …Dennoch ist der Körper gezeichnet von der Schwangerschaft und Geburt, die doch gerade erst war und das vergisst man gerne:

Meine (Bauch)Haut ist noch überdehnt und schwammiger. Über dem Jeansbund hängen auch noch kleine „Stillpolster“, die ich brauche, denn Stillen zerrt an der Substanz. Nun ist es aber eben genau DIESES äußere Bild, das viele Mamas dazu veranlasst, das Pedal mehr durchzudrücken und sich und dem Körper viel zu viel zu zumuten.

Ja! Es kann natürlich sein, dass der Beckenboden wieder fester, reaktiver ist (bei mir hat er tagelangen Reizhusten standgehalten) Nichtsdestotrotz sagen neuste Studien, dass er im Schnitt ca 2,7 Jahre (!) braucht um nach der Schwangerschaft wieder vollständig zu rehabilitieren. Das bedeutet, er hat ein halbes Jahr nach der Geburt noch lang nicht die Festigkeit, wie vor der Schwangerschaft. (Erinnerung: Schon gar nicht, wenn man stillt)

Die Gebärmutter war vor der Entbindung so groß wie eine Melone und etwa ein Kilo schwer. Relativ schnell nach der Geburt erreicht sie durch die Nachwehen und dem wunderbaren Hormon Oxytocin wieder die Ursprungsgröße von etwa 7cm und 40-50g.

Was ist aber mit den Mutterbändern? Jene, die man in der Schwangerschaft so fies in der Leiste spürt. Gerade das vordere, runde Band dehnt sich bis ins 4-fache aus. Quasi vom Schambein bis knapp unterm Rippenbogen (siehe Bild). Diese Überdehnung ist sechs, sieben Monate nach der Geburt ziemlich sicher nicht wieder zurück gebildet. Das bedeutet, dass die Gebärmutter zwar nicht mehr komplett lose, aber dennoch nicht optimal gesichert im Becken liegt.

Es kann auch sein, dass sich selbst die Organe, noch nicht komplett in die richtige Position gerückt haben, weil das stützende Bindegewebe noch zur Seite geschoben ist. Springen und Laufen würde bedeutet, dass all unsere Beckenorgane auf und ab hüpfen, durch die fehlende Stabilität. Nicht mehr ganz so arg, wie 4,6 oder 8 Wochen nach der Geburt, aber doch so, dass sie sich merklich bewegen.

Und was ist mit den Bauchmuskeln? Man spricht davon, dass es über ein Jahr dauert, dass die gedehnte Muskulatur wieder so hergestellt ist, dass sie ihre volle Funktion ausüben können. Die volle Funktion brauchen wir aber für eine stabile Rumpfkapsel. Eine stabile Rumpfkapsel brauchen wir für High Impact Sportarten.

Wie ihr an meinem Beispiel seht, ist der Körper äußerlich durchaus schon halbwegs normal – innerlich aber eben noch ganz und gar nicht.

Da ich eben genau das noch einmal selber an mir erleben darf, sehe ich es als meine Aufgabe euch noch einmal mehr zur Vorsicht aufzurufen. Egal was Fitness -Moms uns vorspielen,  einen weichen, instabilen Körper mit fordernden Sportarten zu belasten hat meist nur den Effekt, dass man Rumpfkapselschwächen verstärkt und Spätfolgen wie Inkontinenz und Senkungen provoziert.

Stabilisiere deinen Kern konsequent (wie in meiner Rückfindungsfibel), führe sanfte Sportarten durch. Lerne deinem Körper erst mit Druckerhöhung umzugehen, bevor du dich ihnen aussetzt…

Übrigens:

Neue Studien empfehlen folgende Test-Parameter durchzuführen und wenn diese ohne Schmerz, Ziehen, Druck oder Inkontinenz ausführbar sind, ist der Körper fürs Joggen bereit.

  • 30 Minuten einfaches Gehen
  • 10 Sekunden auf einem Bein stehen
  • Squat mit einem Bein/Pro Seite 10 Wiederholungen
  • 1 Minuten auf dem Platz joggen
  • 10x vorwärts springen
  • Am Platz springen 10/Seite
  • Am Platz laufen

Eigentlich sollten auch sämtliche Muskeln auf Funktion getestet werden. Denn joggen ist nicht so einfach, wie es scheint…Aber das würde den Rahmen hier sprengen.

Abschliessend sei gesagt:

Lass dir und deinem Körper Zeit! Gefällt dir der Artikel, teile ihn mit deinen Freunden.

Du hast Fragen: gemeinsamdurchdud@gmail.com

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