Warum man jede Form der Inkontinenz behandeln muss

Ich möchte heute eine Geschichte erzählen. Die Geschichte von Lisa (der Name ist frei erfunden. Die Geschichte ist die Summe aller Erzählungen und Probleme, die ich bisher so erlebt habe) und gleichzeitig werfe ich wieder die Frage in den Raum: Wann beginn ich mit dem Sporteln nach der Geburt?

Lisa ist 31 Jahre alt. In der Blütezeit ihres Lebens, würde man fast sagen. Doch Lisa geht es nicht gut und sie fühlt sich absolut nicht in der Blütezeit. Denn Lisa hat ein Problem, das sie leider nicht ernst nimmt.

Dabei hat Lisa zwei bezaubernde Kinder. Lenny ist vor fünf Jahren in Kanada auf die Welt gekommen- geplanter Kaiserschnitt.

“Leider!” sagt Lisa. “Aber Lenny wollte sich nicht drehen!” soweit so gut. Das passiert tatsächlich manchmal. Ob die Psyche (Angst, Respekt) die Lage des Kindes mit beeinflusst, lass ich einfach mal unkommentiert stehen.

Vor 10 Monaten ist dann ihre kleine Prinzessin “Lea” auf die Welt gekommen. Hier in Österreich und auf normalem Weg. Lea war ein sehr großes Baby. Über 4 Kilogramm brachte sie auf die Waage. Die Geburt war “schmerzhaft und intensiv” sagte Lisa. “Aber ich bin glücklich, dass ich eine vaginale Geburt erleben durfte!”

Lisa kam 8 Wochen nach der Geburt zu mir zur Rückbildungsgymnastik. Von fünf Einheiten, war sie aber nur drei Mal da und die anderen Male, kam sie zu spät. Lea war ein sehr unruhiges Baby, außerdem musste sie Lenny zum Kindergarten bringen, und so kam sie oft in “Zeitnöten”

Lisa hat eine normale 0850 Figur. Nicht zu dünn, nicht zu dick. Nach den Schwangerschaften einen leichten (typischen) Hautüberschuss um den Bauch. Normal halt. Aber Lisa wollte diesen “Hautüberschuss” weg trainieren. Meinen Rat, 6 Monate zu warten mit dem “Joggen” hat sie nicht befolgt und startete 4 Monate nach der Geburt mit ihren Joggrunden. “Es gibt Fitnesskurse, wo man 6 Wochen nach der Geburt starten darf, da werden 4 Monate nach der Geburt das Kraut nicht fett machen!” und den Rat “keine Sit-ups zu machen, weil sonst die Rektusbäuche wieder auseinander gedrückt werden” wurde auch nur halb befolgt. “Ich finde, das ist die einzige Übung, wo man den Bauch richtig spürt!” so Lisa…

Jetzt 10 Monate nach der Geburt bekomme ich eine Email- Lisa ist übrigens wieder in Kanada.

“Ist das normal? Ich war mit Lenny auf dem Trampolin und ich war nach dem fünften Sprung klitschnass in der Hose!”

Ist das normal?? Nein. Ist es nicht. Wer beim Trampolinspringen (oder Ähnlichem) Urin verliert, hat eine Stressinkontinenz (oder auch Belastungsinkontinenz) und das ist nicht normal! Das gehört behandelt und zwar umgehend, sonst reitet man sich in einen Strudel und aus eine Belastungsinkontinenz bei großen Belastungen, wird umgehend Belastungsinkontinenz bei kleineren Belastungen.

“Ich trau mich auch gar nicht mehr mit meinem Mann zu schlafen, da ich das Gefühl habe hinter auszulaufen!” Auch hier erfüllt sie den Klassiker. Die Sexualität leider stark unter einem schwachen Beckenboden.

Was soll Lisa jetzt machen?

“Soll ich mir so Liebeskugeln kaufen?” Ja und Nein. Liebeskugeln beheben den Ursprung des Problems nicht. Wer Liebeskugeln einführt “kneift” zusammen und zwar in Dauerschleife. Du trainierst hier Kraft, Kraft, Kraft…aber nicht der Atmung entsprechend- dynamisch. Lisa muss ihren Beckenboden wieder wahrnehmen können. Lisa muss an ihrer Körperhaltung arbeiten, denn da liegt der Ursprung des Problems (nur wer aufrecht steht und sitzt, kann alle vier Teilsysteme aktivieren) …

und was ist dann ein gutes Training für den Beckenboden bei Belastungsinkontinenz?

In erster Linie ein gezieltes Training der Fast-Twitch Muskelfasern. Die Fasern, die wir “schnell” brauchen. Bei schnellen Belastungen (Niesen, Springen, …) . By the way: Hauptsächlich die “schnürenden” Muskelfasern. Da bringt das “Dauerkneifen” nichts, sondern eher ein kurzes, bewusstes Schnüren und bewusstes schnelles Lösen. Auch und gerade bei einer abrupten Belastung (zB beim Niesen)

Wobei auch die langsamen Fasern nicht zu missachten sind. Denn nur ein ausgewogenes Training, bedeutet ein Gleichgewicht. Denn das braucht Lisa. Ein Gleichgewicht in ihrem Körper(system)

Mein Appell an alle Mamas (frisch und alt): Jede Form der Inkontinenz gehört behandelt. Ihr seid nicht alleine mit dem Problem. Der Beckenboden gehört nach der Geburt immer aktiviert, die Rückbildung schafft nur die Basis. Ich sage meinen Mädels aus der Rückbildung auch immer: mit den fünf Rückbildungseinheiten ist euer Beckenboden nicht stabil, Ruht euch nicht darauf aus. Die Übungen, die ich mit gebe, sollten jetzt das ganze Leben gemacht werden. Immer wieder, und vorallem im Alltag integriert.

In den ersten drei Monaten nach der Geburt gehört “Sport” definitiv nicht auf eurem Tagesplan. Das ist zu früh und nachweislich schädlich. . Die 12 Wochen nutzt bitte gewissenhaft dazu, den Beckenboden zu stabilisieren. Und vorallem ein Gefühl für ihn zu entwickeln, ein Gefühl für den Körper. Danach kann man mit ‘sanften’ Sportarten beginnen…

Lisa wird das Problem in Griff bekommen, wenn sie daran arbeitet- Du auch!

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